Geschichte 1

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Vom Schmiedehammer zum Kochlöffel

 

Auch wenn das Schmiedefeuer mittlerweile erloschen ist und Zange und Hammer auf dem Amboss ruhen, so sieht und fühlt der Gast dennoch, dass in den Räumlichkeiten des Gästehauses und Restaurant “Zur alten Schmiede” über Jahrzehnte das alte Handwerk ausgeübt wurde.

 

Als dem Schmiede- und Beschlagsmeister Johann Warnken im Jahre 1931 wegen der großen Auftragslage sein angepachtetes Schmiedegebäude an der Straßenkreuzung “Bensersieler Straße” / “Hartwarder Straße” zu klein wurde, wollte er seinen Betrieb schon ins Holtriemerland nach Schweindorf verlagern. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an der Ehefrau des agilen Schmieds, Katharina Warnken, die nicht aus der damals noch zu Sterbur gehörenden Gemeinde wegziehen wollte.

Auch waren die Geschäftsleute und vor allem die noch recht zahlreich vorhandenen Landwirte sehr daran interessiert, einen guten Schmied in ihrer Nähe zu haben. So kam es dann, dass man dem Schmiedemeister nur wenige hundert Meter von seiner bisherigen Wirkungsstätte entfernt ein Grundstück anbot, wo dann bereits im Jahre 1932 die neue Schmiede nebst integriertem Wohnhaus erbaut wurde.

Die Auftragslage schien sich noch verbessert zu haben, denn im Jahre 1938 wurde der wirtschaftlich genutzte Bereich wesentlich vergrößert.

Bedingt durch die Unwirren des Zweiten Weltkrieges, wurde auch Schmiedemeister Johann Warnken gleich von Anbeginn des Krieges als Soldat eingezogen von dem er erst im August 1948 aus russischer Gefangenschaft zurückkehren sollte.

Gesundheitlich stark angeschlagen, nahm er jedoch im Frühjahr 1949 sein Handwerk wieder auf, nicht zuletzt, um seine Frau und die drei Töchter Anne, Karla und Annette versorgen zu können.

Die Zeit verging und die Kinder wurden allmählich “flügge”. Anne Warnken zog es zum Beispiel nach Wittmund, wo sie über zwei Jahre als” Mädchen für alles” im Hause des damaligen Oberkreisdirektors des Landkreises Wittmund, Onke Onken, eine Anstellung fand.

Als jedoch die Mutter verstarb, kam die damals 19-jährige wieder zurück, um bis heute ”als gute Seele” dem Haus treu zu bleiben.

Dieses gelang umso leichter, als sie mit dem Schmiedemeister Johannes Harms, der ihrem kränklichen Vater zur Hand ging, ihren späteren Ehemann kennen lernte. 1956 wurde geheiratet und bereits zwei Jahre später übernahmen Anne und Johannes Harms den vom Vater gepachteten Schmiedebetrieb. Stolz waren beide darauf, bis zur Betriebsaufgabe insgesamt fast 20 Lehrlinge ausgebildet zu haben, “die gleich alle auf Anhieb ihre Prüfung bestanden” so Anne Harms.

Ende der 1960er Jahren reagierte der Schmiedebetrieb mit dem Bau einer Schmiedehalle auf den Umbruch in der Landwirtschaft und Gesellschaft allgemein: Der Hufbeschlag für die Pferde wurde immer geringer und auch die üblichen Schmiedearbeiten mussten der Industrieware weichen. Dafür kamen nun große Trecker und größere landwirtschaftliche Geräte auf den Hof, die in der neuen Halle wesentlich besser repariert und Instand gesetzt werden konnten.

Durch die Verlagerung des Schmiedebetriebes in die Halle und dem Alters bedingten Auszug der Geschwister von Anne Harms wurden im Wohnhaus nun Zimmer frei, wo Anfang der 1970er Jahr die ersten Hausgäste aufgenommen wurden. 

Da das gemütliche Beisammensein der Hausgäste jedoch für einige Mitbewerber den Charakter einer “Schwarzgastronomie” hatte, entschloss sich Anne Harms, die Erlaubnis für das Betreiben einer Schankwirtschaft zu beantragen. Mit dem 3. März 1971 begann dann der offizielle Gaststättenbetrieb, dem bald auch das Angebot eines Speiselokals folgen sollte